Verwaltungsratspräsident und CEO im Gespräch
Ein Rückblick auf das Jahr 2025 mit dem Verwaltungsratspräsidenten Josef Ming und dem CEO Paolo Compagna
Herr Ming und Herr Compagna, Sie haben beide in den ersten Monaten des Jahres Ihre Funktionen übernommen. Wie blicken Sie zurück?
Josef Ming: Ich hatte schon vor meiner Ernennung zum Verwaltungsratspräsidenten die Gelegenheit, bei diversen Projekten intensiv mit Schindler zusammenzuarbeiten. Schindler ist für mich ein besonderes Unternehmen, eine Schweizer Erfolgsgeschichte, eine Säule der Wirtschaft der Innerschweiz, die ihresgleichen sucht, und es erfüllt mich mit Freude, hier nun strategische Entscheidungen mittragen zu dürfen.
Paolo Compagna: Mit einem Lächeln. Ich bin meine Aufgabe als CEO mit viel Energie angegangen, getragen vom Anspruch, das zu verwirklichen, was zählt, und Schindler noch wettbewerbsfähiger und attraktiver zu machen – für unsere Kunden, Mitarbeitenden, unsere Investoren und die Öffentlichkeit insgesamt.
«Es erfüllt mich mit Freude, hier nun strategische Entscheidungen mittragen zu dürfen.»
Josef Ming

Nach der Kurskorrektur, die wir 2022 vornehmen mussten, können wir uns nun wieder auf das nachhaltige und profitable Wachstum fokussieren. Dafür braucht es in unserem Geschäft Dichte und Stabilität im Wartungsportfolio. Die Weichen wurden in den letzten Jahren gestellt. Jetzt geht es mehr denn je um die konsequente Umsetzung unserer Top-Prioritäten, um unsere Ziele zu erreichen. In der Neuinstallation, der Modernisierung und im Service.
Und welche sind das?
Paolo Compagna: Eins vorab, es brauchte 2025 keine neue Strategie, keinen erneuten Kurswechsel. Wir konzentrierten uns sehr stark auf das Wie, das heisst auf die Umsetzung, und haben dies für alle Mitarbeitenden, egal wo auf der Welt und in welcher Funktion, greifbarer gemacht.
Wir wollen ein Unternehmen sein, mit dem die Zusammenarbeit angenehm und leicht ist. Wir sind ein Serviceunternehmen und das sollen unsere Kunden und die Nutzer unserer Anlagen tagein, tagaus spüren.
Zudem sind viele der vorhandenen Aufzüge und Fahrtreppen älteren Datums und benötigen eine Umrüstung oder müssen vollständig erneuert werden. Dadurch lassen sich Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz steigern. Im Jahr 2025 haben wir in diesem Bereich beachtliche Fortschritte gemacht, und die Reise geht nun noch dynamischer weiter.
Josef Ming: Schindler hat bereits 2022 das «Group Strategic Framework» definiert und damit klare Akzente für die langfristige Ausrichtung des Unternehmens gesetzt. Diese werden kontinuierlich verfeinert. Schindlers Geschäftsmodell ist robust und lokal. Die Herausforderung in den über 100 Ländern, in denen Schindler tätig ist, liegt darin, dass wir lokal professioneller und innovativer präsent sein müssen als unsere Mitbewerber.
«Kostenoptimierung verschafft uns Wettbewerbsvorteile und ermöglicht unternehmerische Freiheit.»
Josef Ming
Das geopolitische und wirtschaftliche Umfeld entwickelt sich fortlaufend dynamisch und wir sind dagegen nicht immun. Nur wer in diesem Kontext ausreichend agil ist, couragiert handelt, kontinuierlich die Resilienz erhöht und den nötigen finanziellen Spielraum erarbeitet, bleibt bestehen.
Kostenoptimierung verschafft uns Wettbewerbsvorteile und ermöglicht unternehmerische Freiheit. Wir haben in unseren Lieferketten und internen Abläufen Potenzial für mehr Effizienz identifiziert. Wir werden Durchlaufzeiten reduzieren und dabei die Qualität hochhalten.
Paolo Compagna: Mehr denn je braucht es nun eingespielte Lieferketten, die Belastungsproben standhalten. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Monteure im Feld qualitativ hochwertiges Material zeitgerecht erhalten. Das wollen wir unseren Kunden und allen Nutzern von Aufzügen und Fahrtreppen bieten.
«Wir sind ein Serviceunternehmen und das sollen unsere Kunden und die Nutzer tagein, tagaus spüren.»
Paolo Compagna

Künstliche Intelligenz ist derzeit als der Katalysator für Effizienzsteigerungen in aller Munde. Wie nutzt Schindler diese?
Paolo Compagna: Wie bei jeder technologischen Neuerung schwingt auch bei der künstlichen Intelligenz eine Mischung aus Faszination und kritischem Hinterfragen mit, gerade in einem von Ingenieurwesen geprägten Umfeld voller Innovationskraft wie bei Schindler.
Künstliche Intelligenz verstehen wir nicht als Allheilmittel, sondern als wertvolle Unterstützung: zur Automatisierung und Optimierung repetitiver Aufgaben, zur gezielten Bereicherung kreativer Entwicklungsprozesse sowie zur effektiven Analyse umfangreicher Datenmengen, um sie für fundierte Prognosen zu nutzen. Damit steigern wir unsere Effizienz und schaffen konkreten Mehrwert für unsere Kunden, indem wir die Werterhaltung ihrer Immobilien unterstützen und attraktive Service- oder auch Modernisierungslösungen anbieten.
Josef Ming: Schindler hat in seiner 150-jährigen Geschichte zahlreiche Phasen technologischen Fortschritts erlebt. Bei vielen Innovationen war Schindler in der Rolle des Pioniers und hat sie pro-aktiv mitgestaltet – mit kühlem Kopf, gesunder Risikoabwägung und auf den Kundennutzen ausgerichtet. Auch bei der Integration von künstlicher Intelligenz gehen wir diesen Weg weiter. Das Potenzial erscheint endlos, doch geht es uns vor allem um fokussierte Lösungen, die dem Unternehmen und unseren Kunden Qualitäts- und Effizienzvorteile bringen.
«Wir wollen Städte und Gebäude zugänglicher und damit lebenswerter für alle machen.»
Paolo Compagna
Und welche Rolle spielt der Faktor Mensch?
Josef Ming: Die zentrale Rolle. Schindler ist ein Serviceunternehmen und gerade unsere Kolleginnen und Kollegen im Feld sind aus der Transportinfrastruktur in Städten nicht mehr wegzudenken. Sie sind oft ein essenzieller Teil einer Gemeinschaft, des funktionierenden Betriebs eines Gebäudes, des öffentlichen Personennahverkehrs, der Mobilität generell. Wir setzen alles daran, ihren Berufsalltag einfacher zu machen und damit unsere Kunden noch besser zu bedienen, eben auch über die Anwendung neuer Technologien.
«Unsere Kolleginnen und Kollegen im Feld sind aus der Transportinfrastruktur in Städten nicht mehr wegzudenken.»
Josef Ming

Paolo Compagna: Ein Serviceunternehmen zu sein bedeutet auch, dass wir Kundenorientierung in jeder Ecke des Unternehmens leben, von Stabsfunktionen über die Produktion bis ins Backoffice. Denn letztlich haben wir einen übergeordneten Auftrag, den wir sehr ernst nehmen: wir wollen Städte und Gebäude zugänglicher und damit lebenswerter für alle machen.
Wir legen höchsten Wert auf Sicherheit am Arbeitsplatz und gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeitenden. Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber für Menschen aller demografischen Gruppen bleiben. Hochmotivierte Teams, die gemeinsam Bestleistungen erreichen, sind und bleiben die Grundlage unseres unternehmerischen Erfolgs. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten unsere umfassenden Aus- und Weiterbildungsprogramme, an welchen mehrere Hundert Auszubildende weltweit teilnehmen.
Was waren Ihre besonderen Schindler-Momente im Jahr 2025?
Josef Ming: Bei Besuchen in den Regionen den Schindler-Teamspirit, die starke Schindler-Kultur und die hohe Leistungsbereitschaft hautnah zu erleben, ist etwas Besonderes. In Metropolen um die Welt unterwegs zu sein und dort mit Schindler-Produkten bewegt zu werden, das beeindruckt. Dies macht deutlich, wie viel die Schindler-Generationen vor uns geleistet haben.
Paolo Compagna: Ob in der Schweiz oder auf Reisen: Die Begegnungen mit Schindler‑Kolleginnen und ‑Kollegen in den Niederlassungen oder bei unseren Kunden – oft nur ein kurzes «Hallo, wie geht’s?» – sind für mich jedes Mal etwas Besonderes. Ebenso bereichert mich der Austausch mit unseren Kunden, viele von ihnen begleiten wir seit Jahren, manche sogar seit Generationen. Ihr Feedback und ihre Ideen für die Zukunft prägen unsere Entwicklungen und tragen entscheidend dazu bei, unser Unternehmen kontinuierlich innovativer und nachhaltiger zu gestalten.
«Die Begegnungen mit Schindler‑Kolleginnen und ‑Kollegen in den Niederlassungen oder bei unseren Kunden sind für mich jedes Mal etwas Besonderes.»
Paolo Compagna