San Francisco, USA
Im Fluss

San Francisco ist im Aufbruch. Die Big-Tech-Hauptstadt wird für die Zukunft gerüstet. Dazu gehört auch die Personenbeförderung. Schindler ist mittendrin und modernisiert die Fahrtreppen und Aufzüge diverser Leuchtturmprojekte.
Unverzichtbar
BART (Bay Area Rapid Transit) gehört einfach zum öffentlichen Nahverkehr des Grossraums San Francisco. In den vier hochfrequentierten Stationen im Stadtzentrum modernisiert Schindler 41 Fahrtreppen – und der Pendlerstrom fliesst derweilen ungestört weiter.

Seelenruhig arbeitet Virol Providence in der Metro-Station Montgomery Street am Innenleben einer Schindler-9700-Fahrtreppe. Tausende Pendlerinnen und Pendler hetzen an ihm und seinen Arbeitskollegen vorbei auf die Metrozüge oder zurück auf die Strasse.
BART verbindet seit 1973 die San-Francisco-Halbinsel mit den grossen Städten in der East Bay und South Bay, mit Oakland und San José. Sie ist die unverzichtbare ÖV-Verbindung für Pendlerinnen und Pendler, bringt Touristen zu den Sehenswürdigkeiten und Studierende zu den weltberühmten Universitäten der Region. Das Streckennetz ist 211 Kilometer lang.
Seit 2020 ist Schindler an der grossan-gelegten Modernisierung der Metro beteiligt und rüstet 41 Fahrtreppen in den vier BART-Stationen Embarcadero, Montgomery Street, Powell Street und Civic Center um. Die Stationen liegen unter der legendären Market Street in der Innenstadt von San Francisco und weisen das grösste Fahrgastaufkommen aller 48 BART-Stationen der Bay Area auf.
Virol Providence ist einer der Teamleader des Projekts. Legt er nicht selbst Hand an, kümmert er sich um die Logistik und Organisation seiner Baustelle. Seit 1999 arbeitet er für Schindler, seine Einschätzung ist fundiert: «Das Schwierigste bei der Modernisierung der Fahrtreppen sind die engen Platzverhältnisse. Wir verkabeln hier auf engstem Raum. Ich mag die Arbeit mit der Elektronik am liebsten, aber sie fordert mich heraus. Was wir hier machen, ist nicht Plug&Play.»
Neben den Arbeiten an den Fahrtreppen kümmert sich das Schindler-Team auch um Absperrungen, um die Sicherheit in den Metrostationen zu gewährleisten.
Dreiundzwanzig Fahrtreppen bedienen den Weg von der Strasse hinunter auf die sogenannte Verteilebene, von wo Fahrgäste dann mit einer der 18 Fahrtreppen weiter auf ihr Perron gelangen. Von diesen 41 Anlagen modernisiert Schindler 23 mit dem patentierten Schindler-Intruss-Verfahren, bei dem die bestehende Tragkonstruktion («truss») erhalten bleibt, alte, abgenutzte Komponenten aber entfernt und durch neue, moderne Bauteile ersetzt werden. Zu diesen Teilen gehören etwa Treppenstufen, Antrieb, Steuerung, Sicherheits- und Komfortelemente. Nach Abschluss der Modernisierungsarbeiten im Jahr 2027 werden die Anlagen dank verbesserter Sicherheit und Leistung, Energieeffizienz und modernem Erscheinungsbild kaum noch von neuen zu unterscheiden sein.
Acht Fahrtreppen werden vollständig ersetzt und neun komplett neu installiert. Das verbaute Schindler-9700-Modell hat sich in solch stark frequentierten öffentlichen Bereichen weltweit bewährt und hält auch Vandalismus weitestgehend stand.
Für die Schindler-Monteure ist der BART-Auftrag ein emotionaler. Sie stammen alle aus der Bay Area und kennen die Metro seit ihrer Kindheit. Servicetechniker Matthew Wyder schwärmt: «BART war schon immer da, es gehört zur Bay Area. Ich brauche meiner Familie und meinen Freunden auch nicht zu erklären, woran ich arbeite. Sage ich BART, ist alles klar.»
Sein Arbeitskollege Andrew Fowler fügt hinzu: «Schon als Kind fuhr ich genau mit dieser Fahrtreppe, an der ich jetzt arbeite. Ich sorge nun dafür, dass sie einwandfrei funktioniert.»
Matthew Goepel leitet dieses Grossprojekt. Die Teams für die Modernisierung, die Neuinstallation, den Service und die Reparatur in einem Umfeld, das nie stillsteht, einzuteilen, ist eine seiner grössten Herausforderungen. Die Metro wird immer benutzt, unter der Woche genauso wie am Wochenende: «Wir versuchen, die Arbeiten so unbemerkt wie möglich durchzuführen. Zum Glück haben die vier Stationen vier oder fünf Zugänge, und wir renovieren natürlich nicht alle Fahrtreppen gleichzeitig. Wir versuchen so gut wie möglich zu informieren, um Beschwerden erst gar nicht aufkommen zu lassen.»
Die Baustellenlogistik ist besonders komplex. Die schweren und grossen Bau- und Ersatzteile der Fahrtreppen werden über die stark befahrene Market Street angeliefert und müssen durch die starkfrequentierten Stationen in den Untergrund gehievt werden.
Doch laut Matthew Goepel ist es diesen Aufwand mehr als wert: «Unser Produkt ist das beste auf dem Markt. Wenn zum Beispiel niemand die Schindler-9700-Fahrtreppe nutzt, verlangsamt sie automatisch und spart Energie. Das kannten die BART-Nutzer bisher nicht. Wir mussten hier etwas Aufklärungsarbeit leisten und die Nachhaltigkeitsaspekte erklären, aber nun ist die Kundschaft glücklich damit.»
Die Schindler-Niederlassung in San Francisco liegt auf der Ostseite der Bucht, in San Leandro. Unter der Leitung von General Manager Geoffrey Hussey wird die gesamte Bay Area abgedeckt, ein Gebiet, das 650 Kilometer in den Norden, 240 Kilometer in den Süden und je 150 Kilometer nach Osten und Westen reicht.
«Schindler wird in San Francisco als innovatives Ingenieurunternehmen wahrgenommen», freut sich Geoffrey Hussey.
Schindler PORT und die Schindler Occupant Evacuation Operation (OEO) sind hier weit verbreitet. OEO-Aufzüge verfügen über eine intelligente Steuerung, dank deren in einem Not- oder Brandfall die Bewohnerinnen und Bewohner eines Hochhauses sicher evakuiert werden können Das Gebäude kann bis zu 50% schneller als nur über Treppenanlagen verlassen werden. Zudem sind die mit dieser Steuerung ausgestatteten Aufzüge auch für mobilitätseingeschränkte Personen zugänglich. Ein OEO‑Aufzug macht oft ein separates Notfalltreppenhaus überflüssig – und schafft so zusätzlichen Raum für Wohn- oder Büroflächen. Auch im Hochhaus des Meta-Konzerns an der Howard Street im Stadtzentrum ist diese Technologie verbaut.

«BART ist Teil meines Lebens. Früher nahm ich die Metro zur Schule, heute täglich zur Arbeit.»
Robert Johnson Fahrtreppen-Monteur
«Wir arbeiten einwandfrei zusammen.»
Mark Dana, Projekt-manager Office of Infrastructure Delivery bei BART, über die Zusammenarbeit mit Schindler und den Stellenwert der Metro für den Grossraum San Francisco.
Was macht das Market-Street-Projekt so besonders?
Von Anfang an war dies ein Paradebeispiel für partnerschaftliche Teamarbeit. Schindler und das BART-Management sowie die Teams vor Ort arbeiten eng zusammen und haben das Projekt gemeinsam geplant. Bisher ist es uns so immer gelungen, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu lösen und rasch auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Die Kommunikation ist offen, ehrlich, direkt und professionell – ohne versteckte Agenda.
Wie wichtig ist BART für den Grossraum San Francisco?
BART ist das wichtigste Transportsystem für Pendlerinnen, Pendler und Besuchende der Bay Area. Dadurch werden Autoverkehr und damit Luftschadstoffe und Energieverbrauch reduziert.
Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit für BART?
Sie wird bei uns grossgeschrieben und konsequent umgesetzt. Wir wollten Fahr-treppen mit energiesparenden regenerativen Antrieben und Sleep-Modus-Funktionen und das konnte Schindler liefern. Wir schätzen auch, dass mehrere Einheiten mit auswechselbaren Teilen ausgestattet sind, was Zeit bei der Beschaffung und beim Austausch spart.
Wie viele Menschen nutzen die Metro?
Wir nähern uns derzeit wieder den Fahrgastzahlen an, wie wir sie vor Covid kannten – damals nutzten durchschnittlich über 400 000 Fahrgäste jeden Tag die Metro.
Wie wichtig ist ein schneller und zuverlässiger Zugang zu den Stationen über die Fahrtreppen?
Sehr. Wir sind stolz darauf, einen sicheren, sauberen und zuverlässigen Service zu bieten. Das hat uns einen guten Ruf und das Vertrauen der Öffentlichkeit eingebracht.
Wieso haben Sie Schindler mit diesem Projekt betraut?
Wir haben uns für Schindler nach einer öffentlichen Ausschreibung entschieden. Das Unternehmen ist verantwortungsvoll und reaktionsschnell und wir waren mit der bereits bestehenden Zusammenarbeit sehr zufrieden.
«Die Kommunikation ist offen, ehrlich, direkt und professionell – ohne versteckte Agenda.»
«Die Professionalität und die kooperative Haltung aller Mitarbeitenden beeindruckt mich sehr.»
Mark Dana, Projektmanager Office of Infrastructure Delivery BART
Upside down
An der 201 Mission Street im Stadtzentrum von San Francisco wagen sich Schindler-Profis an ein seltenes Projekt: die Verlängerung der Aufzugsschächte nach unten. Und das alles wegen eines Erdbebens.

Der Anblick ist ungewohnt: Im Aufzugsschacht enden die Führungsschienen weit über den Köpfen der Schindler-Monteure. Sie versetzen die Böden der Aufzugsschächte um ein Stockwerk nach unten, verlängern vertikale Schienen und Tragseile entsprechend, verbinden die mitfahrenden Kabelpakete, bringen zusätzliche Querträger im Aufzugsschacht an und schaffen einen neuen Zugang zum Aufzugsschacht. Gleichzeitig verbauen sie eine neue Version des Schindler-PORT-Systems und tauschen alle Bedienelemente aus oder passen diese an.
«Es ist ein riesiges Unterfangen», sagt Vorarbeiter und Mastermind Jeffrey Rooney. Schindler-Superintendent Heath Myers, zuständig für das Projekt Mission Street, hat den erfahrenen Monteur mit Zusatzausbildung als Elektroniker aus San José nach San Francisco geholt. Er sagt: «Jeffrey und sein Team lösen dieses komplexe Vorhaben souverän und mit viel Sachverstand. Eine familiär geführte Firma wie Schindler holt das Beste aus seinen Mitarbeitenden heraus.»
Das Projekt hat ein Technikerteam, bestehend aus Personen der Bay Area, aus Texas und Hawaii, zusammengebracht. Reese Littleton aus Houston findet stellvertretend für seine Kollegen: «Es ist eine einzigartige Herausforderung, so etwas habe ich noch nie gemacht: Wir stellen alles auf den Kopf. Ich lerne jeden Tag dazu.»

Für einen solchen Umbau gibt es keine Blaupause. Einige technische Lösungen testet Jeffrey Rooney zusammen mit seinem Team zum allerersten Mal. Die Wände der improvisierten Werkstatt sind vollgehängt mit Skizzen und Konstruktionsplänen, in den Gestellen stapeln sich Werkzeug-Prototypen: «Manchmal wache ich morgens um zwei Uhr mit einer neuen Idee auf.»
Der Grund für das aussergewöhnliche Projekt ist so verblüffend wie einleuchtend. Das 127 Meter hohe Providian Financial Building, das damals noch Pacific Gateway Building hiess, wurde 1981 fertiggestellt. Es war flankiert vom zweistöckigen Embarcadero-Freeway, der sich damals quer durch die Stadt zog. Man gelangte über diese Hochstrasse ins Gebäude, dessen Lobby im ersten Stock lag. Die Low-Rise-Aufzüge erschlossen die ersten 18 Stockwerke und die Hochhaus-Aufzüge die gesamten 30 Stockwerke.
Bis zum 17. Oktober 1989. Dann verän-derten 15 Sekunden alles. Das Loma-Prieta-Erdbeben zerstörte den Embarcadero Freeway. Die Stadtregierung musste ihn 1991 abreissen. Der Eingang zur 201 Mission Street befand sich nun plötzlich im Parterre, aber ohne einen Aufzug. Verschiedene Lösungsvorschläge wurden diskutiert, dann wieder verworfen. Letztlich entstanden als Übergangslösung zwei Fahrtreppen zur Lobby im ersten Stock. Diese wurde schlussendlich ins Erdgeschoss verlegt und die Aufzugsschächte um ein Stockwerk nach unten verlängert.
Aufzug um Aufzug setzt das Schindler-Team die knifflige Aufgabe bei allen neun Anlagen um. 2026 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Jeffrey Rooney meint dazu: «In meinen 30 Jahren in der Aufzugsbranche habe ich noch nie gehört, dass ein so hohes Gebäude so einschneidend umgebaut wurde. Weder mein Vater noch meine Onkel, die alle Aufzugstechniker waren, haben je von so etwas berichtet. Ich kann es kaum abwarten, diese spannende Aufgabe abzuschliessen.»
Beflügelt im Hintergrund
Am Flughafen von San Francisco sind nicht nur Flugzeuge in Bewegung. 77 durch Schindler gewartete Aufzüge sorgen dafür, dass Reisende leichter zu ihrem Ziel kommen. Techniker sind an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr vor Ort, damit diese nie stillstehen.

George Ortiz hat eben noch einen Aufzug im Parkhaus B gewartet. Jetzt steigt er bereits wieder in seinen Van mit Elektroantrieb und fährt zum Hangar der United Airlines, wo er sich um einen Lastenaufzug kümmern wird. Über seinen Kopf donnert ein Jet im Landeanflug.
Der internationale Flughafen von San Francisco ist spektakulär gelegen, aufgeschüttet an den Ufern der Bay, gut 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und mit der BART-Metro leicht zu erreichen. Gegen 50 Millionen Passagiere fertigt der Flughafen jährlich ab, was ihn zu einem der zwölf grössten in den USA macht.
Die Schinder-Service-Crews warten nicht nur eigene Aufzüge, sondern auch jene von anderen Herstellern. Sicherheit ist dabei das oberste Gebot. George Ortiz sagt bestimmt: «Die Fahrgäste müssen sich zu 100 Prozent sicher fühlen. Das ist mein Ziel. Dafür mache ich den Unterhalt, den Service, allfällige Reparaturen. Wir ölen, fetten, kontrollieren Kabel und kümmern uns darum, dass die Türen richtig schliessen.»

Er arbeitet seit 2024 für Schindler, ist aber seit fast zwölf Jahren in der Aufzugsindustrie tätig: «Ich mag Schindler, weil das Unternehmen sich so gut um die eigenen Leute kümmert. Das ist der grosse Unterschied zu vielen anderen Unternehmen.» George Ortiz weiss genau, wovon er spricht. Der vierfache Vater hatte vor einigen Monaten ein ernsthaftes gesundheitliches Problem und bekam von Schindler die notwendige Unterstützung für sich selbst und für seine Familie. Dazu meldete sich General Manager Geoffrey Hussey regelmässig bei Georges Frau.
Auch Georges Kollege Brian Bilbao, ein ebenfalls vom Schicksal hart getroffener alleinerziehender Vater einer elfjährigen Tochter, spricht tief berührt von vergleichbarer Fürsorge in schwierigen Zeiten. Er schwärmt: «Ich spüre eine tiefe Verbundenheit mit Schindler. Wie in einer grossen Familie. Wir schauen zueinander.»
Und zu den Aufzügen am Flughafen: Zusammen mit anderen Servicetechnikern unterhalten sie die Aufzüge und kümmern sich um alle Probleme. Zu den 77 Anlagen gehören auch zwölf ältere, aber voll funktionstüchtige Modelle von Westinghouse, die einiges an Erfahrung erfordern. Erfahrung, die auch Brian Bilbao nach mehr als einem Jahrzehnt im Aufzugsgeschäft hat.
Als gute Fee im Hintergrund organisiert die Associate-Projektmanagerin Lindsay Ruhland die Crews am Flughafen. Sie stellt den nahtlosen Service während der Zeit, in welcher der Flughafen San Francisco in Betrieb ist, sicher – also immer. «Von unseren Auftraggebern bekommen wir die Rückmeldung, dass unsere Mitarbeitenden sehr gut kommunizieren, sehr schnell auf eine Anfrage reagieren und anstehende Probleme lösen», erzählt sie voller Stolz.
Der Flughafen ist für die Region ein wichtiges Drehkreuz. Auch deshalb ist George Ortiz glücklich über das positive Feedback, das er und seine Kollegen vom Kunden bekommen: «Sie spüren, dass Schindler gut geführt ist. Wir sind ihnen gegenüber transparent und deshalb vertrauen sie uns. Sie sagen immer wieder, wie zufrieden sie mit uns sind», erklärt er strahlend.